Sonntag, 6. Januar 2013

Saatgut für alle!

Die Arche Noah hat sich der "Erhaltung, Verbreitung und Entwicklung der Kulturpflanzenvielfalt" verschrieben. Die Agrarlobby und Firmen, die gentechnisch verändertes Saatgut herstellen, wollen auch in Europa verhindern, daß Bauern eigenes Saatgut gewinnen und damit unabhängig von großen Saatguterzeugern werden/bleiben. Der Clou dahinter: aus gentechnisch erzeugtem Saatgut wachsen Pflanzen, die unfruchtbar sind. Man kann aus ihnen also kein Saatgut gewinnen. Damit werden Bauern abhängig von den Saatgutkonzernen, weil sie in jeder Pflanzsaison neues Saatgut kaufen müssen. Da mittlerweile nur noch "10 multinationale Unternehmen 74% des globalen Saatgutmarktes kontrollieren" (Quelle: Initiative "seed for all"), können sich die Preise für Saatgut jederzeit ändern und Bauern in den Ruin treiben. Außerdem verschwindet damit auch die natürliche Pflanzenvielfalt.
Ein Argument der Gentechnik - Firmen ist die Bekämpfung des Hungers, die angeblich nur mit dem Einsatz von gentechnisch erzeugtem Saatgut möglich ist. Müssen so viele Menschen hungern, weil es zu wenige Lebensmittel auf der Welt gibt? In diesem Zusammenhang erinnere ich an die Dokumentation "We feed the world", die in Österreich vor einigen Jahren in den Programmkinos lief (mittlerweile auch im Fernsehen). Da sagte Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung: "Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet." (Quelle: "We feed the world"). Denn: es gibt ausreichend Lebensmittel für alle Menschen auf der Welt. Allerdings: Viele Menschen können sich diese schlicht und ergreifend nicht leisten. Und: Tonnen an Lebensmitteln werden in den Industrieländern in den Müll geworfen, vieles davon noch originalverpackt und absolut in Ordnung. Zum Beispiel wird in Wien täglich so viel Brot (unverkauft) in den Müll gekippt, wie die Bewohner von Graz verbrauchen (Zitat aus dem Film).

Es ist allerdings auch keine Lösung, den Überschuß an Lebensmitteln, der bei uns in Europa produziert wird, in die Entwicklungsländer zu verfrachten. Ich habe schon in mehreren Dokumentationen gesehen, daß die EU z.B. den Transport von Zwiebeln in afrikanische Länder subventioniert. Diese werden dort - der Subvention sei dank - dann billiger verkauft als die einheimischen Zwiebeln, wodurch heimische Kleinbauern nichts mehr verkaufen können...

Ein Endlosthema...
Wenn Ihr mehr zum Thema Saatgut wissen wollt, schaut bei Arche Noah oder der Initiative "seed for all" vorbei.

Was sagt Ihr dazu?


Ich freue mich über Kommentare!

Kommentare:

  1. Huch, hast du gerade den Post gekürzt? Zwischen lesen und kommentieren sind, glaube ich, ein paar Zeilen verschwunden. Oder werde ich langsam tüddelig? *rätsel*

    Ich war lange Jahre Mitglied bei Arche Noah. Leider ist ein Versand von Setzlingen/Jungpflanzen in die Schweiz unmöglich, daher musste ich mich mit Saatgut begnügen. Nachdem ich ein paar Mal Pech mit der Sortenreinheit gehabt hatte (weisse Paprika waren rot, statt Blumenkohl wuchs Senfkohl etc.), habe ich angefangen, eigenes Saatgut zu gewinnen. Ist zwar etwas umständlich, aber so kann ich sicher sein, dass im nächsten Jahr auch genau das wächst, was ich will. Wie dieses Jahr bei den Kürbissen. Ausgesät wurden zwei Sorten, ernte durfte ich drei... :D

    Wünsche dir noch einen geruhsamen Restsonntag

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    1. Sorry, habe nach dem Veröffentlichen beschlossen, daß ich den ersten Teil doch weggebe, weil er gar nicht dazugehört. Später gibt es den Teil in einem extra-Post!
      Das ist schade, daß die Arche Noah keine Pflanzen in die Schweiz verschickt. Aber vielleicht gibt es bei Euch eine ähnliche Initiative? In Deutschland gibt es das jedenfalls.
      Liebe Grüße, Jule

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  2. In der Schweiz kann man bei ProSpecieRara Pflanzen beziehen. ProSpecieRara ist eine Stiftung, die sich für die kulturhistorische und genetische Vielfalt bei Pflanzen und Tieren einsetzt. Nicht ganz das selbe wie die Arche Noah, aber in jedem Fall eine gute Sache.

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  3. Bei uns gibt es Pro Specie Rara, zwar nicht ganz dasselbe, aber fast. Die verkaufen ihr Saatgut auch bei einer grossen Supermarktkette und Setzlinge an Märkten, die von ihnen organisiert werden. Aber die Pflänzchen sind unheimlich teuer (ab 4 Euro) und bei Arche Noah hat man definitiv die grössere Auswahl. Will auch in Österreich wohnen. *schniff*

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