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Sonntag, 24. März 2013

Es war einmal...

...mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab, da saß eine Königin am Fenster, das einen Rahmen aus schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie da so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah,...den Rest kennen wir ja. Sie bekam eine Tochter, mit schwarzen Haaren, weißer Haut und roten...was auch immer rot war, die Lippen wahrscheinlich. Dann Apfel, Gift, Koma, Zwerge, Prinz, und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende.

Weniger bekannt ist allerdings, daß Schneewittchen sich doch noch zu einer emanzipierten Frau enwickelte und, um finanziell von Ihrem Prinzen unabhängig zu bleiben, eine Konditorlehre machte. Sie erfand eine nach ihr benannte Torte, die der Renner auf Geburtstagsfesten ist, weil sie aussieht, wie vom Profikonditor gemacht. Normalerweise. Diesmal, rechtzeitig zum Fototermin, natürlich nicht.



Ui, zu fortgeschrittener Stunde sind zwei besonders unscharfe Fotos gelungen...
 Sie schmeckt jedem, der Mohn und Topfen mag (beides sollte man allerdings wirklich mögen).  Meine Freundin Silke wünscht sie sich jedes Jahr zum Geburtstag (sie bezeichnet sie als "MEINE Torte"), und da wir den gestern abend (zum zweiten Mal in dieser Woche) feierten, wurde die Schneewittchentorte der Abschluß zu einem indischen Abendessen. Das ist vielleicht eine ungewöhnliche Kombination, aber was soll's. Indisch kocht sich gut für eine größere Gruppe, und die Schneewittchentorte musste sein.

Die Torte ist nicht schwierig. Topfencreme und Himbeeren werden mit Gelatine gefestigt. Ich würde die ja gerne durch ein pflanzliches Geliermittel ersetzen, aber ich trau mich nicht recht, weil ich mit Agar-Agar und Co. wenig Erfahrung habe. Nicht, daß die Torte dann mißlingt! Das würde mir besagte Freundin womöglich nicht verzeihen.
Diesmal ist sie nicht ganz so schön geworden. Das liegt daran, daß ich die Himbeeren mit dem Pürieraufsatz der KitchenAid passiert habe, und da blieben dann doch zuviele Kerne drin. Also habe ich nochmal mit dem Sieb passiert. Dadurch blieb dann weniger Flüssigkeit als sonst übrig, und jetzt schaut noch was von der Topfenmasse durch. Und die Topfenmasse hätte ich doch mit dem Mixer rühren sollen, dann wäre sie etwas homogener. Egal, sieht man wenigstens, daß sie selbstgemacht ist ;-)

Übrigens ist die Torte auch für Menschen mit Zöliakie geeignet, sie enthält kein Fuzzelchen Mehl.

Das geheime Schneewittchentorten - Rezept:

4 Eiklar
90 g Staubzucker (oder extrafeinen Backzucker)

100 g zimmerwarme Butter
30 g Staubzucker (oder extrafeinen Backzucker)
etwas Vanillezucker und/oder Zimt nach Geschmack
4 Eidotter

150 g Mohn
70 g gemahlene Haselnüsse

Topfenmasse:
500 g Topfen (Quark), abgetropft
100 g Staubzucker (oder extrafeinen Backzucker)
Vanillemark
5 Blatt Gelatine
250 ml Schlagobers (süße Sahne)

Himbeersauce:
300 g Himbeeren
50 g Staubzucker (oder extrafeinen Backzucker)
3 Blatt Gelatine

Eiklar und Zucker aufschlagen.
Butter, Zucker, Vanillezucker, Zimt schaumig rühren. Die Eidotter nach und nach unterrühren. Sehr schaumig rühren.
Mohn und Haselnüsse vermischen, abwechselnd mit dem Eischnee unter die Butter-Zucker-Eimasse rühren (nicht mit dem Mixer).
In einer Springform 40 Minuten bei 175° backen.


Die Torte auskühlen lassen, den Rand der Springform abnehmen, abwaschen und die Torte damit wieder einpacken.

Topfen, Zucker, Vanille und Zitronensaft gut verrühren.
5 Blatt Gelatine ind kaltem Wasser einweichen (nach Packungsanweisung) und dann in wenig heißem Wasser auflösen und unter die Topfenmasse rühren. Das geschlagene Obers unterheben. 

Die Topfenmasse auf dem Mohnboden verteilen. Sie muß nicht super-glatt gestrichen werden. Die Himbeersauce gleicht Unebenheiten aus.


Die Himbeeren mit dem Zucker pürieren (Pürierstab oder Löffel) und passieren (mit einem Esslöffel durch ein Haarsieb streichen).
Die Himbeersauce vorsichtig erwärmen (nicht aufkochen) und 3 Blatt Gelatine (vorher in kaltem Wasser eingeweicht und ausgedrückt) darin auflösen. Über die Topfenmasse gießen.

Die Torte einige Stunden kalt stellen (am besten im Kühlschrank mit einem Deckel).

Dienstag, 20. November 2012

Geburtstagsmohnzopf

Das Nordlicht hat Geburtstag und statt einer Torte gibt es den geliebten Mohnzopf. Ich würde ja gerne eine Torte backen, sie darf ruhig etwas kompliziert sein, aber er mag Torten nicht so. Leider sind auch Familienmitglieder und Freunde diesbezüglich einfallslos. Eine meiner Freundinnen wünscht sich immer die Schneewittchentorte (wird im nächsten März veröffentlicht), meine Familie mag nur die Kastanientorte aus Eva Bakos' "Mehlspeisen aus Österreich" (mit der besten Schokoladecreme der Welt) - die mache ich im Schlaf. Kann sich mal jemand eine andere Torte wünschen?

Der Mohnzopf wurde diesmal nicht mit Zucker überzogen. Ich hatte keine Zeit mehr. Obwohl ich seit einigen Tagen stolze Besitzerin eines Zuckerthermometers bin. Aber dann las ich: man muß es mindestens bis zur 40 Grad - Markierung in die Zuckerlösung tauchen. Die ist aber nur gut 1 cm hoch. Ich brauche also einen neuen Topf, mit kleinerem Durchmesser! Früher hatte ich sowas, aber dann habe ich meine erste eigene Küche bekommen, mit Induktionsherd - ich liebe ihn, aber dafür brauchte ich neue Töpfe. Alle, die ich bisher verwendet hatte, stammten von meiner Mutter und ihrer Mutter. Sie waren zum Teil echt schön, aus Email und bunt. Sie lagern im Keller meiner Schwester und warten darauf, daß ihre Söhne zum Studium auswandern (sie werden die Studienanfänger mit der besten Küchenausstattung sein!).
Ach ja, der Mohnzopf schmeckt mir auch ohne Glasur, obwohl die schon das Tüpfelchen auf dem i ist. Dem Nordlicht war der Mohnzopf nun nicht süß genug, ich fand die Füllung schon sehr süß. So oder so - ein Erlebnis!

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Muttis Mohnzopf

Auf besonderen Wunsch meines Nordlichts habe ich wieder mal den Mohnzopf nach dem Rezept meiner Mutter hergestellt (sag ich mal so - sie wird es auch nicht erfunden haben, aber ich weiß nicht, woher sie es hat). Ich musste mich nicht lange überreden lassen. Für Mohnjunkies ist er einfach unwiderstehlich!!!

Zutaten:
200 g Mehl, 1 gestrichener TL Backpulver, 1 Prise Salz, 1 Päckchen Vanillezucker
150 g Butter
200 g Topfen

für die Fülle:
200 g geriebener Mohn
4 EL heiße Milch
100 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
Zitronenschale

Zubereitung für Chaoten (also so Leute wie ich, die den Teig kneten, und dann mit klebrigen Händen draufkommen, daß Blech und Backpapier noch gut in der Lade verstaut sind und die Fülle noch nicht fertig ist):

1) Die Zutaten für die Fülle vermischen, sie darf ruhig etwas feucht sein, aber immer noch krümelig
2) Backblech rausholen
3) Backpapier zuschneiden, dann ein nasses Tuch auf die Arbeitsplatte legen, das Backpapier darauflegen
4) Mehl und die anderen trockenen Zutaten vermischen, mit der Butter abbröseln - hier versagt meine geliebte Kitchen Aid, Handarbeit ist angesagt (ich kann es nicht leiden, wenn meine Hände teigverklebt werden, aber was soll man machen, mit der Küchenmaschine funktionert dieser Teig einfach nicht)
5) Topfen dazukneten

Das geht alles recht schnell und einfach, und man muß den Teig vor dem Auswalken nicht einmal rasten lassen (laut Rezept schon, habe ich gerade entdeckt; aber ich habe ihn heute versehentlich sofort weiterverarbeitet, und das klappte hervorragend).

6) den Teig auf das Backpapier legen und ausrollen (wenn man den Teig auf der Arbeitsplatte ausrollt, hat man nachher das Problem, daß man ihn, ohne ihn zu zerreissen, auf das Backpapier verfrachten muß; daher diese Sache mit dem nassen Tuch...)
6) das mittlere Drittel des Teigs mit der Fülle bestreichen
7) die äußeren zwei Drittel des Teigs in etwa 2 cm breite Streifen radeln


Dann wird der Zopf geflochten. Das hat mir meine Mutter nie gezeigt (auch nicht das Radeln - kann sein, daß man das versetzt machen muß), ich habe immer nur das Endergebnis gesehen.


Ich fange immer falsch rum an, deswegen ist auf dem Teig jetzt außen Mohn (ich mußte ihn noch einmal auseinanderfalten). Also immer zuerst das Endstück einfalten, und dann die geradelten Finger abwechselnd übereinanderlegen. Dann wird der Mohnzopf noch mit Eigelb bestrichen.


Ich finde, er sieht gar nicht so schlecht aus. 20-30 Minuten bei 200 Grad backen.

8) Als Draufgabe kann man noch eine Zuckerglasur machen. Dazu kocht man 60 g Zucker und 1/16 l Wasser aufgekocht, "bis zum kleinen Flug". Ja, ich frage mich auch immer wieder, wie das genau aussehen soll. Siehe Exkurs weiter unten. Heute ist die Glasur mal gelungen, daher gibt es eine genaue Anleitung: die Zuckerlösung bei starker Hitze (blubbert ganz schön stark) kochen, und zwar 2 Minuten (als moderne Hausfrau habe ich das mit der Stoppuhr des I-Pads gestoppt), dann rinnt sie nicht mehr vom Löffel, sondern zieht sich schon etwas, und dann muß man sie schnell auf den Zopf auftragen, bevor sie richtig fest wird.

Als der Mohnzopf fertig war, habe ich vergessen, ihn zu fotografieren, weil ich so gierig darauf war, ihn gleich anzuschneiden. Daher gibt es nur noch ein Teilfoto:


Das Prinzip mit dem kleinen Flug ist so: die Zuckerlösung soll eine Temperatur von 112-113 Grad erreichen. Dazu kocht man sie bei starker Hitze. Zur Probe taucht man eine kleine Drahtschlinge hinein und bläst dann vorsichtig durch, dabei soll sich eine Blase bilden. Soweit die Theorie. Die Praxis schaut so aus, daß ich weder eine Drahtschlinge habe noch ein Thermometer (letzteres würde sich vielleicht mal lohnen), und die Glasur daher entweder steinhart oder so klebrig wird, daß der Mohnzopf an den Zähnen kleben bleibt. In jedem Fall schmeckt er sensationell, ist aber vielleicht schwierig zu essen, wenn das mit dem Zucker falsch läuft. Aber mit meiner Anleitung von heute sollte es klappen!