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Montag, 9. September 2013

Zweinutzungshuhn

...ist nicht der Titel des neuen Films von Til Schweiger. Ein Zweinutzungshuhn ist DIE Errungenschaft des 21. Jahrhunderts - nämlich - haltet Euch fest! - ein Huhn, das Eier legen kann, dessen Fleisch man aber auch essen kann! Tolle Sache, oder?
Ich habe diesen Begriff vor ein paar Tagen zum ersten Mal gelesen. Und zwar im Buch "Friss oder stirb" von Clemens G. Arvay. 


Darin fand ich, abgesehen von diesem absurden Begriff, einige für mich neue Informationen. Hatte ich mich doch in Sicherheit gewiegt, wenn ich brav Bio-Lebensmittel im Supermarkt kaufe. Ja, mir war schon klar, daß die Biomarken der Supermärkte nicht das Gelbe vom Ei sind, aber daß es so schlimm ist, wie im genannten Buch nachzulesen, hätte ich nicht gedacht.

Die Hühner der Supermarkt-Biomarken, zum Beispiel, werden, ganz EU-konform, in Einheiten zu 3000(!) Tieren gehalten. Natürlich gibt es einen Auslauf, es sind ja Freilandhühner. Bloß - das Freiland bei diesen Ställen bietet keinerlei Deckungsmöglichkeit, sondern besteht normalerweise nur aus einer Wiese. Daher verlassen die Hühner den Stall nicht und sitzen aufeinander wie die Sardinen in der Dose. Mit allen Problemen, die das so mit sich bringt, wenn Hühner zu eng leben. Es geht Ihnen also nicht besser als nicht-Bio-Tieren. 

Da auch Bio-Hühner dahingehend gezüchtet sind, daß sie entweder viele Eier legen können (und das das ganze Jahr hindurch) ODER daß sie schnell an Gewicht zulegen, damit man ihr Fleisch verkaufen kann (sie sind also auch keine Zweinutzungshühner), werden in der Eierproduktion die männlichen Küken gleich nach dem Schlüpfen "homogenisiert" - ein hübsches Wort, oder? Es heißt nichts anderes, als daß die Küken auf dem Fließband von einem rotierenden Messer zu Brei verarbeitet werden. Denn sie können keine Eier legen, sind aufgrund der Züchtung aber auch nicht schnellwachsende Fleisch-Hühner. Also weg damit.

Außerdem sind die Hühner Hybride, die sich nicht fortpflanzen können. Das bedeutet, daß die Bauern immer wieder neue Küken vom Züchter kaufen müssen. Das gibt es auch bei Pflanzen. Die Saatguthersteller sind daran interessiert, Ihre Sorten möglichst weltweit zu verkaufen, um die Bauern von sich abhängig zu machen. Verrückt, oder, daß ein Bauer kein Saatgut mehr aus seinem Getreide gewinnen kann, oder?

Bitte lest dieses Buch! Es ist wirklich informativ und gut zu lesen. Es erklärt auch (verständlich), was Hybride sind, warum 80% der landwirtschaftlichen Fläche Österreichs als Bergbauerngebiete gelten, und warum auch Bio-Äpfel mehrmals gespritzt werden. Oder wie Bauern von den Lebensmittelkonzernen behandelt werden. Und vieles mehr. Ich bin so schockiert, daß ich beschlossen habe, zukünftig so viel wie möglich im örtlichen Bauernladen zu kaufen. Dort gibt es fast nur echte Bio-Ware von kleinen Bauern, unter anderem auch (grüne) Eier einer alten Hühnerrasse. Außerdem will ich meinen Fleischkonsum weiter zu reduzieren und meinen Gemüsegarten erweitern. 

Sonntag, 6. Januar 2013

Saatgut für alle!

Die Arche Noah hat sich der "Erhaltung, Verbreitung und Entwicklung der Kulturpflanzenvielfalt" verschrieben. Die Agrarlobby und Firmen, die gentechnisch verändertes Saatgut herstellen, wollen auch in Europa verhindern, daß Bauern eigenes Saatgut gewinnen und damit unabhängig von großen Saatguterzeugern werden/bleiben. Der Clou dahinter: aus gentechnisch erzeugtem Saatgut wachsen Pflanzen, die unfruchtbar sind. Man kann aus ihnen also kein Saatgut gewinnen. Damit werden Bauern abhängig von den Saatgutkonzernen, weil sie in jeder Pflanzsaison neues Saatgut kaufen müssen. Da mittlerweile nur noch "10 multinationale Unternehmen 74% des globalen Saatgutmarktes kontrollieren" (Quelle: Initiative "seed for all"), können sich die Preise für Saatgut jederzeit ändern und Bauern in den Ruin treiben. Außerdem verschwindet damit auch die natürliche Pflanzenvielfalt.
Ein Argument der Gentechnik - Firmen ist die Bekämpfung des Hungers, die angeblich nur mit dem Einsatz von gentechnisch erzeugtem Saatgut möglich ist. Müssen so viele Menschen hungern, weil es zu wenige Lebensmittel auf der Welt gibt? In diesem Zusammenhang erinnere ich an die Dokumentation "We feed the world", die in Österreich vor einigen Jahren in den Programmkinos lief (mittlerweile auch im Fernsehen). Da sagte Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung: "Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet." (Quelle: "We feed the world"). Denn: es gibt ausreichend Lebensmittel für alle Menschen auf der Welt. Allerdings: Viele Menschen können sich diese schlicht und ergreifend nicht leisten. Und: Tonnen an Lebensmitteln werden in den Industrieländern in den Müll geworfen, vieles davon noch originalverpackt und absolut in Ordnung. Zum Beispiel wird in Wien täglich so viel Brot (unverkauft) in den Müll gekippt, wie die Bewohner von Graz verbrauchen (Zitat aus dem Film).

Es ist allerdings auch keine Lösung, den Überschuß an Lebensmitteln, der bei uns in Europa produziert wird, in die Entwicklungsländer zu verfrachten. Ich habe schon in mehreren Dokumentationen gesehen, daß die EU z.B. den Transport von Zwiebeln in afrikanische Länder subventioniert. Diese werden dort - der Subvention sei dank - dann billiger verkauft als die einheimischen Zwiebeln, wodurch heimische Kleinbauern nichts mehr verkaufen können...

Ein Endlosthema...
Wenn Ihr mehr zum Thema Saatgut wissen wollt, schaut bei Arche Noah oder der Initiative "seed for all" vorbei.

Was sagt Ihr dazu?


Ich freue mich über Kommentare!